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August 18, 2018

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Cerro Rico - In der Silbermine von Bolivien

31 Mar 2017

Während unserer Flitterwochen im Juni 2016 durch Peru und Bolivien kamen wir auch in der Stadt Potosi vorbei, die bekannt für ihre Silbermine ist.

 

 

Ich wollte hier unbedingt an einer Tour teilnehmen, die den Alltag der Minenarbeiter zeigt. Sie alle tragen in der Mine ein sehr hohes Risiko, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei ca. 45 - 50 Jahren.

 

Auf der Tour erfuhren wir, dass in genau dieser Mine, jeden Monat im Schnitt vier Menschen verunglücken und weitere zehn Arbeiter an den Folgen der schweren, staubigen Arbeit sterben, häufig aufgrund einer Staublunge.

 

Wir entschieden uns für Koala Tours als Anbieter, zum einen lasen wir hierüber im Internet nur Gutes und auch vor Ort im Büro hatten wir einen guten Eindruck.

 

Als wir nach dem Preis fragten, teilte man uns sofort mit, dass man mit umgerechnet 15 EUR pro Person fast doppelt so teuer wie die anderen sei, dies aber folgende Gründe hätte:

 

  • kleine Gruppen von 2-3 Personen gehen immer zusammen mit zwei Guides in die Mine, so dass wenn sich jemand unwohl fühlt und raus möchte, dies immer möglich ist ohne dass der Rest der Gruppe die Tour abbrechen muss

  • der besuchte Minenabschnitt ist exklusiv für Koalatour reserviert, wir laufen keinen anderen Touren über den Weg, somit ist zum einen Sicherheit gewährleistet, da hier nicht zu viele Touristen sind, zum anderen werden die Minenarbeiter aber auch nicht von zu vielen Touris gestört

  • ein Teil des Preises wird den Minenarbeitern des entsprechenden Abschnitts zur Verfügung gestellt

 

Wir fanden den Preis auf jeden Fall sehr fair und da die Erfahrungsberichte bei TripAdvisor mit diesem Anbieter durchweg positiv waren schlugen wir ein.

 

Am nächsten Tag ging es zuerst einmal zum Umziehen. Wir bekamen Overalls, Helme mit Stirnlampen sowie Gummistiefel. Was wir nicht bekamen waren Masken. Die meisten Arbeiter hätten auch nur Tücher vor der Nase, diese konnten wir für ca. 1 EUR erwerben.

 

 

Danach ging es weiter auf den "Miners-Market" um für die Arbeiter kleiner Geschenke zu kaufen. Als da wären zum Beispiel:

 

  • Dynamit

  • Koka-Blätter

  • Zündschnüre

  • Sprengstoffverstärker

  • 97 %-iger Alkohol

 

...und so langweilige Sachen wie Wasser und Limo.

 

Wir betraten einen der Läden, in dem direkt neben der Eingangstür, frei zugänglich und unbewacht ein paar Stangen Dynamit lagen.

 

 

Auf dem Bild oben handelt es sich bei den linken Stangen in weiß um Dynamit, rechts daneben, die etwas dickeren, roten Stangen, sind um die Sprengkraft zu verstärken. Bei dem Kabel zwischendrin handelte es sich um eine Zündschnur.

 

Ein Set aus diesen drei Komponenten kostete ca. 2 EUR - wir schlugen zu.

 

Unser Guide nahm eine der Stangen, rammte eine Zündschnur oben hinein und zündete diese innerhalb des Ladens an. Ich verfiel in eine Art Schockstarre, wäre aber am liebsten schreiend weggerannt. Er erklärte uns, dass es bis zur Detonation ca. fünf Minuten dauern würde, nahm die Zange und knipste die Schnur ab, so dass nichts mehr passieren konnte.

 

Er erzählte, dass man vor der Explosion ausreichend Sicherheitsabstand gewinnen muss und auch danach für mindestens eine Stunde zumindest 30 - 40 m Abstand halten sollte, da zum einen immer mehrere Stangen Dynamit gezündet werden und manchmal nicht alle sofort zünden und außerdem die bei der Explosion entstehenden Dämpfe extrem giftig seien.

 

Mich interessierte, wie sich die verschiedenen Kumpels gegenseitig über die Sprengungen informieren, woher diese wissen, wer gerade wo genau sprengt und ob diese irgendwie miteinander vernetzt sind. Er verstand die Frage nicht so Recht aber ich hörte raus, dass das irgendwie schon klappt.

 

Als nächstes mussten wir zur Beruhigung und um die Geister der Mine zu besänftigen einen Schluck des 97%igen Alkohols (oben in den Flaschen mit den roten Deckeln) trinken. Hierzu bekamen wir den Deckel gefüllt mit Alkohol in die Hand gedrückt, äußerten drei Wünsche, leerten nach jedem Wunsch einen Schluck Alkohol auf den Boden und tranken die restlichen Tropfen. 

 

 

Nachdem wir noch schnell einen kleinen Beutel voll mit Kokablättern besorgt hatten, fuhren wir weiter zu einer Fabrik.

 

 

Hier lernten wir, wie die Rohstoffe nach Abbau weiter verarbeitet werden. Da der Preis der Rohstoffe zu diesem Zeitpunkt im Keller lag, standen die meisten Fabriken still und auch 3 der insgesamt 14 Tausend Minenarbeitern streikten.

 

Alleine hier war bereits erkennbar, unter welchen Bedingungen die Menschen hier arbeiteten und diese von der technischen Entwicklung sowie unseren Sicherheitsstandards gefühlt hunderte Jahre entfernt sind.

 

So langsam wurde es ernst. Wir fuhren weiter den Berg hoch um dann nach einer letzten Pinkelpause das Bergwerk zu betreten.

 

Die Aussicht von hier oben war fantastisch.

 

 

 

 

 

Wir bekamen noch eine letzte Sicherheitseinweisung. Da der Weg in der Mine eingleisig und nach draußen hin leicht abschüssig verlief, müssten wir, sobald wir hörten, dass uns Loren entgegenkämen sofort zusehen in einer der Buchten unterzukommen. Vollbeladen wiegen diese knapp 2 Tonnen und sind nicht gebremst. Hintendrauf stehen jeweils zwei Minenarbeiter die auf die Gleise springen um mit den Füßen zu bremsen, doch das dauert.

 

 

Tatsächlich kam es sehr häufig vor, dass uns Arbeiter mit vollen Loren und einer irren Geschwindigkeit entgegenkamen. Die Kumpels, die gerade die leeren Loren reinschoben, mussten diese dann rechtzeitig zu einer Bucht bringen und schnell von den Gleisen kippen, damit es zu keinem Zusammenstoß kam.

 

In der Mine sah es dann so aus...

 

 

 

 

 

Wenn man die Taschenlampen ausmachte, war es stockdunkel, es gab keinerlei Beleuchtung und je tiefer man in den Stollen eintrat, desto schlechter, stickiger und staubiger wurde die Luft.

 

Wir drangen mehrere hundert Meter weit ein, nahmen Abzweigungen, gingen in andere Ebenen und ohne Guide hätten wir nie wieder herausgefunden.

 

An einer Stelle trafen wir auf den Minengott, der die Arbeiter beschützen sollte. Dieser sah mehr aus wie der Teufel. Unser Guide steckte sich hier erstmal eine Zigarette an und steckte sie der Figur als Opfergabe in den Mund. Klar, die Luft hier ist ja eh so gut.

 

 

 

An einer anderen Stelle, an der wir Pause machten und etwas erklärt bekamen, saßen wir ebenfalls gerade auf ein paar Steinen. Auf einmal gab es einen wahnsinnig lauten Knall und der Boden sowie die Wände vibrierten. In diesem Moment blieb mein Herz stehen, weil die Sprengung so unerwartet und so stark kam. Unser Guide war sich ziemlich sicher, dass wir weit genug entfernt seien. Er blieb ruhig, das war ein gutes Zeichen, doch beruhigte mich dennoch nicht so richtig.

 

Genau darauf zielte meine Frage im Laden ab, nun hatte ich die Antwort.

 

Janina ergriff meine Hand, sie zitterte.

 

Es folgten drei weitere Explosionen, danach zogen wir weiter. Wir trafen auf einen Minenarbeiter, der ein wirklich alter Hase war. Mit 36 Jahren Alter und über zwanzig Jahren Erfahrung in der Mine einer der Reicheren. Er hatte sogar einen elektrischen Bohrhammer von Bosch, auf den er sehr stolz war.

 

 

Wir schenkten ihm unser letztes Präsent - den Beutel mit Kokablättern. Da er so schmutzige Hände hatte und Wasser hier drin sehr knapp ist und daher ausschließlich zum Trinken, urinierte er vor unseren Augen auf seine Hände, um diese so zu reinigen und sich anschließend die Blätter in den Mund stopfen zu können.

 

Wir lernen noch, dass die meisten Arbeiter ihren Urin hier drin auch trinken, teils aus heilenden sowie auch aus Gründen der Wasserknappheit.

 

Uns wurde angeboten, noch bei einer Sprengung dabei zu sein. Diesmal vorbereitet und live beim Zünden dabei. Wir hatten genug und lehnten ab. Nach fast zwei Stunden wollten wir einfach nur noch raus.

 

Zum Schluss bekamen wir noch etwas Silber geschenkt, das wir mit nach Hause nehmen durften.

 

 

Wir waren heilfroh, als wir am Ende des Tunnels Licht erkennen konnten und somit gleich wieder draußen waren.

 

Es war eine wahnsinnige Erfahrung und hat uns wieder einmal gezeigt, wie gut es uns geht. Wer bei uns über die Arbeit meckert, tut dies auf allerhöchstem Niveau.

 

Wir können über so viele Dinge froh sein, die uns im Alltag gar nicht mehr auffallen, da sie für uns selbstverständlich sind. Dies ist nicht auf der ganzen Welt so und wir erkennen wieder einmal, wie dankbar wir sein sollten.

 

 

 

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